Reise ins Banat
Mai 2025
Es hat elf Jahre gedauert, bis sich erneut die Gelegenheit ergab, ins Banat zu reisen. Diesmal besand die Reisegruppe nur aus meiner Schwester Birgit, meinem Schwager Martin und mir. Wir machten uns am Morgen des 5. Mai auf den Weg, es war ein fürchterlich regnerischer Tag, Martin chauffierte uns den ganzen Weg bis nach Werschetz. Dort bezogen wir Quartier in demselben Haus, mit denselben Gastgebern wie schon 2014. Auch Birgit war schon 2016 einmal dort.
Nach einem ausgiebigen Abendessen in einem nahen Restaurant und einer guten Nacht führte uns der erste Weg am nächsten Tag zu dem Massengrab, in dem unser Großvater seine letzte Ruhe fand. Es war ein schöner Tag, wir umrundeten das Grab, Birgit pflückte einen Strauß Wiesenblumen für das Grab und wir zündeten natürlich eine Kerze an. Dann fuhren wir nach Georgshausen, der Heimat unseres Vaters, Dr. Josef Wüst.
In Georgshausen spazierten wir herum und ließen den Ort unserer Vorfahren auf uns wirken. Wir erkundeten die halb renovierte Birg Villa, besuchten den Friedhof und die kleine Kirche, die auf dem Grundstück unserer Großeltern steht. Die Nachbarin der Kirche war so nett und sperrte uns die Türe auf, sodass wir auch im Inneren der Kirche eine Kerze anzünden konnten. Auch das Grundloch konnten wir erkunden und den total verfallenen Bahnhof.
Am Nachmittag fuhren wir zurück nach Werschetz, wo wir im Park ein Kaffeepause machten und uns den Turm und das Kircherl auf dem Berg genauer anschauten. In dem Bewußtsein, dass unser Vater in jungen Jahren, als er in Werschetz einige Jahre das Gymnasium besuchte und im Schülerheim wohnte, sicher auch auf dem Berg und in den Weingärten herumspazierte, genossen wir die Gegend mit der umwerfenden Aussicht sehr. Erst jetzt können wir die Schwärmereien unseres Vaters über Werschetzt verstehen.
Der nächste Tag führte uns nach Alt Lec, dem Heimatdorf unserer Großmutter Anna Fochler. Wir suchten und fanden das Haus unserer Urgroßeltern – es sieht noch verkommener aus als 2014, es wird noch immer von derselben alten Dame bewohnt. Unser nächstes Ziel war die Gruftkapelle unserer Urgroßeltern auf dem Friedhof. Sie sah diesmal besser aus als bei meinem letzten Besuch vor elf Jahren, dafür war alles weg, kein Kreuz mehr, ganz sauber ausgeputzt. Wir montierten zwei neue Bilder mit den Antlitzen unserer Vorfahren und zündeten natürlich für jeden eine Kerze an.
Wir fuhren weiter über Lasarfeld, wo wir diesmal die Mühle der Familie Fochler nicht fanden, nach Groß Betschkerek. Von hier aus trat unser Vater seine Reise ins Ungewisse an und verließ das Banat für immer. Er sollte nie wieder zurückkehren.
An unserem Letzten Tag versuchten wir das Gedenkkreuz auf dem Friedhof in Werschetz zu finden. Da wir es uns anders vorstellten fanden wir es zunächst nicht. Aber nach einem Anruf beim Obmann des Schwabenvereins, Gerhard Schiestl, haben wir es dann doch sehr schnell gefunden. Auf dem Friedhof lernten wir Stefan Mundiac, den uns Gerhard geschickt hatte, kennen. Dieser sehr nette Herr erklärte uns sehr ausführlich alle Einzelheiten über das Gedenkkreuz.
Den Abschluss unserer Reise bildete ein Besuch in einem Weinkeller in Kudric. Ein sehr sympatischer Juniorchef, der ganz gut englisch konnte, erklärte uns einiges über seinen Keller, der einst deutschen Bewohnern gehörte, ließ uns einige Weine verkosten und zeigte uns einige neu restaurierte Räume im einstigen Wohnhaus. Daraufhin kauften wir ihm einige Kartons Wein ab und begaben uns in ein nahegelegenes Restaurant zum Abendessen. Dort besuchte uns dann noch Brane, unser Freund aus Georgshausen.
Am 9. Mai traten wir die Heimreise an, nach vielen Erlebnissen und tollen Eindrücken. Wenn alles gut geht, wollen wir in zwei Jahren wieder kommen.